VPN und Netflix: US-Inhalte streamen und günstige Abos abschließen

Wann braucht man einen VPN Zugang für Netflix?

Wenn in den USA der neue Serien-Hit auf Netflix startet, dieser in Deutschland aber noch lange nicht in Sicht es, können VPN-Clients die Lösung sein. Diese machen das Streamen ausländischer Inhalte möglich. Wie das funktioniert und ob das legal ist, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Es gibt diese Momente, da würde man gerne in den USA wohnen: Etwa wenn die neueste Staffel „Stranger Things“ veröffentlicht wird – oder in der Vergangenheit „House of Cards“ oder „Orange ist he New Black“, … US-Abonnenten vom weltweit führenden Streaming-Anbieter Netflix kommen nämlich oft lange vor den deutschen Kunden in den Genuss aufwendiger Eigenproduktionen und internationaler Kinohits. Doch das heißt nicht zwingend, dass wir in Deutschland überhaupt irgendwann darauf zugreifen können. Denn: Nur weil der US-Anbieter Lizenzen für einen Film oder eine Serie kauft, bedeutet das nicht, dass das wegen anderer Lizenznehmer gleichzeitig auch in Deutschland passiert. Ein berühmtes Beispiel war die Netflix-Eigenproduktion „House of Cards“, die hierzulande immer zuerst von Sky ausgestrahlt wurde – und dass, obwohl zumindest zum Start der 2. Staffel Netflix auch bereits im deutschen Markt vertreten gewesen ist.

Solche Enttäuschungen lassen sich zum Glück vermeiden: VPN-Clients erlauben uns, virtuell kurzfristig in die USA (oder ein anderes Land) umzusiedeln und so auf die Inhalte der US-Inhalte von Netflix zuzugreifen.

Wie Netflix überhaupt erkennt woher Sie kommen?

Grundsätzlich ist es Netflix egal, ob Sie ein Konto in Deutschland, Spanien, Argentinien oder den USA abgeschlossen haben. Dem Streaming-Anbieter geht es nur darum, wo sich der Nutzer im Moment des Aufrufs der Bibliothek befindet. Das erkennt Netflix anhand der IP-Adresse des verwendeten Geräts. Diese Adresse ist eine individuelle Kennung, die zwar keine Rückschlüsse auf eine einzelne Person, wohl aber auf andere Daten zulässt, beispielsweise auch auf das Land, in dem sich der Nutzer gerade befindet. Melden Sie sich also bei Netflix an, während Sie in Deutschland auf dem Sofa sitzen, erkennt der Dienst die deutsche Kennung und schaltet die entsprechenden Inhalte frei. Reisen Sie nun in die USA und rufen dann mit dem gleichen Account Netflix auf, sehen Sie die US-Inhalte, da Ihr Gerät eine entsprechende IP-Adresse verwendet.

Geoblocking: wieso ist es in der EU nicht mehr relevant?

Dass Sie aus Deutschland keine amerikanischen Inhalte aufrufen können (und andersherum), liegt übrigens am sogenannten Geoblocking: Streaming-Anbieter aber auch andere Website- und Online-Shop-Betreiber regeln, beziehungsweise verbieten über diese Technik die Zugriffe aus dem Ausland. Früher war es daher nicht möglich, im Spanienurlaub weiterhin die Lieblingsserie auf der deutschen Netflix-Plattform weiterzuschauen. Seit dem 1. April 2018 ist innerhalb der EU allerdings eine Verordnung in Kraft, die regelt, dass Sie bei vorübergehenden Aufenthalten im EU-Ausland zu gleichen Bedingungen wie in Deutschland Videos streamen können – ähnlich der Abschaffung der Roaming-Gebühren beim Telefonieren und Surfen. Wenn Sie also im EU-Ausland Urlaub machen, benötigen Sie keinen VPN-Client, um weiterhin Ihre Lieblingsserie schauen zu können. In den USA, Kanada oder Australien ist der Dienst nützlich(er) und notwendig, um die deutschen Inhalte auch dort anschauen zu können.

Wie funktioniert der VPN-Tunnel für Netflix?

Die Abkürzung VPN steht für „Virtual Private Network“, also ein virtuelles privates Netzwerk. In diesem Netzwerk stehen, je nach Anbieter, Server auf der ganzen Welt. Wenn Sie Inhalte in den USA aufrufen möchten, suchen Sie sich über einen Client einen Server in den USA aus und verbinden sich mit diesem. Stellen Sie nun eine Anfrage, wird diese über den Server in den USA geleitet – die Zielseite sieht nicht Ihre, sondern nur die IP-Adresse des VPN-Servers, identifiziert ihn als zulässigen amerikanischen Kunden, und übergibt die Inhalte an ihn – also beispielsweise die Serien und Filme von US-Netflix. Der VPN-Server verschlüsselt diese Daten und übergibt sie final an Sie beziehungsweise Ihr Gerät. Dadurch bleiben Sie zum einen anonym, zum anderen sind die Daten geschützt vor neugierigen fremden Blicken. Aus diesem Grund werden VPN-Verbindungen häufig auch als Tunnel oder Tarnkappe bezeichnet.

Welcher VPN-Anbieter ist für Netflix der beste?

Es gibt viele verschiedene VPN-Anbieter am Markt. Die meisten sind kostenpflichtig, einige Clients lassen sich auch kostenlos nutzen. Letztere sind aber für das Streaming von Netflix ungeeignet. Zum einen stellen die meisten kostenlosen VPN-Clients zu wenige Server zur Verfügung, zum anderen ist die Geschwindigkeit viel zu langsam. Umkehrt bedeutet das für einen zwar kostenpflichtigen aber geeigneten VPN-Dienst, dass dieser eine möglichst große Serveranzahl (in möglichst vielen Ländern) anbietet, ein gutes Surf- und Streaming-Tempo erlaubt und dass die Server und verwendeten Sicherheitsprotokolle nicht von Netflix geblockt werden. Da diese Faktoren als Außenstehender gar nicht so leicht zu beurteilen sind, haben wir die bekanntesten VPN-Anbieter für Sie ausprobiert und bewertet. Die folgenden drei haben vor allem in Punkto Netflix aber auch in allen weiteren Punkten überzeugt:

CyberGhost VPN

Im Gesamttest zwar „nur“ auf Platz Vier, ist CyberGhost beim Thema Streaming der unangefochtene Spitzenreiter. Die Geschwindigkeit ist hoch, für das Streamen von Netflix – egal ob US oder DE – werden extra Server ausgewiesen. Dank der unglaublich großen Auswahl an Servern und Standorten, vielen Zusatzfunktionen und guter Bedienung, macht der VPN-Client aber auch in allen anderen Belangen eine gute Figur, wie der detaillierte Testbericht (https://www.computerbild.de/artikel/cb-Tests-Software-Test-Cyberghost-VPN-Test-23855811.html) beweist.

NordVPN

In unserem Gesamttest der Spitzenreiter, weiß NordVPN selbstverständlich auch beim Streamen zu punkten. Zwar gibt es keine extra ausgewiesenen Server für Netflix – die Verbindung mit der US- und deutschen Bibliothek klappte dennoch einwandfrei und mit einer sehr guten Geschwindigkeit und Qualität. Welche Vorzüge der VPN-Client außerdem mitbringt, erfahren Sie in dem Einzeltest von NordVPN (https://www.computerbild.de/artikel/cb-Tests-Software-Test-NordVPN-23828887.html) .

ExpressVPN

Im direkten Vergleich handelt es sich bei ExpressVPN um einen eher teuren VPN-Client, auf extra Netflix-Sever wird, wie bei NordVPN, verzichtet. Dennoch ist die Streaming-Qualität sehr gut und schnell – so platziert sich ExpressVPN nicht nur im Gesamttest, sondern auch im Netflix-Test auf Platz Drei. Alle Vorzüge von ExpressVPN lesen Sie im großen Test (https://www.computerbild.de/artikel/cb-Tests-Internet-ExpressVPN-Test-24206219.html).

Welche Anbieter eignen sich nicht für Netflix-Streaming?

Neben den absoluten Spitzenreitern gibt es auch noch andere VPN-Clients, die Netflix können – eventuell sind diese etwas langsamer oder streamen in schlechterer Qualität. Es gibt außerdem Anbieter, von denen Netflix-Gucker auf jeden Fall die Finger lassen sollten: Shellfire, Bitdefender und Tunnelbear sind beispielsweise Kandidaten, die vom US-Anbieter gezielt gesperrt werden. Warum Netflix das tut, ist nur allzu gut nachvollziehbar: Der Anbieter will natürlich Film- und Serienrechte schützen und verhindern, dass der Filmindustrie Einnahmen durch die Lappen gehen. Es ist also auch nicht garantiert, dass langfristig nicht auch die anderen VPN-Clients von Netflix und anderen Streaming-Anbietern gesperrt werden. Womit wir bei einer naheliegenden Frage sind.

Funktioniert das VPN-Streamen auch bei Amazon Prime?

Vergleicht man die Nutzerzahlen in Deutschland, so ist Amazon Prime zumindest hierzulande der beliebtere Streaming-Anbieter. Auch bei diesem variieren Filme und Serien von Land zu Land. Aber: Amazon Prime in den USA ist extrem strikt was den Zugriff über VPN-Server angeht. Im Test war keiner der Zugriffsversuche über die Clients erfolgreich – online gibt es jedoch Berichte, dass einzelne Nutzer über NordVPN und andere Anbieter auf die US-Inhalte von Amazon Prime zugreifen konnten. Wahrscheinlich eine Glücks- und Geduldssache.

Kann man über einen VPN-Tunnel beim Netflix-Abo sparen?

So wie die Inhalte von Land zu Land variieren, so sind auch die Preise für ein Netflix-Abo sehr unterschiedlich. Das deutsche Abo ist vergleichsweise teuer, wenn man sich beispielsweise in der Türkei, Argentinien und anderen Ländern umschaut. So kamen vor einiger Zeit findige Nutzer auf die Idee, ihr deutsches Abo zu kündigen, sich mit einem VPN-Server in die Türkei zu versetzen und dort ein deutlich günstigeres Abo abzuschließen. Hinter diesen Trick kam aber auch Netflix schnell: Nicht nur, dass viele VPN-Anbieter geblockt wurden – es wurde auch eine Barriere bei der Anmeldung eingerichtet. Ohne eine türkische Telefonnummer, zu der ein Bestätigungscode gesendet wird, klappt der Abschluss des günstigen Abos nun nicht mehr. Einen ähnlichen Anmeldeprozess hat auch Netflix in Argentinien – wer sich allerdings über einen anonymen Tor-Browser dort anmeldet und per Guthaben- oder Kreditkarte bezahlt, kann mit ein paar Tricks immer noch von den günstigen Abo-Preisen profitieren. Ist das Abo erst einmal abgeschlossen, brauchen Sie grundsätzlich übrigens keinen VPN-Client mehr – schließlich wollen Sie trotz argentinischem Abo ja wahrscheinlich die deutschen Inhalte sehen. Das gelingt auf diesem Weg. Erst wenn Sie die ausländischen Inhalte streamen möchten, ist ein VPN-Tunnel wieder nötig.

Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass wir Sie zwar über mögliche Wege informieren, nicht aber, wie Sie diese Wege konkret gehen. Und das hat auch einen guten Grund: Netflix und auch die meisten anderen Streaming-Anbieter schließen in Ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Nutzung ihres Angebots über VPN-Tunnel aus beziehungsweise formulieren es wie folgt: „Sie können die Netflix-Inhalte hauptsächlich in dem Land ansehen, in dem Sie Ihr Konto erstellt haben, und nur in geografischen Regionen, in denen wir unseren Dienst anbieten und die jeweiligen Inhalte lizenziert haben.“ Zugegeben: Der Begriff „hauptsächlich“ lässt etwas Spielraum – eigentlich sind die Einschränkungen jedoch schon sehr eindeutig. Und auch der Umweg in ein anderes Land, um ein günstigeres Abo abzuschließen, wird nicht gern gesehen. Denkbar ist, dass sich jederzeit Möglichkeiten und Wege von einem auf den anderen Tag verändern oder ganz verschwinden.

Grundsätzlich gilt also: Bestimmte Arten des Streamings von Netflix über VPN sind eine rechtliche Grauzone. Bemerkt Netflix, dass Sie ein Angebot wiederrechtlich genutzt haben, kann es zur personengebundenen Sperrung eines Accounts kommen. Das heißt, selbst wenn Sie aus dem argentinischen Konto rausgeflogen sind, weiß Netflix in Deutschland unter Umständen davon und erlaubt Ihnen auch kein neues deutsches Konto mehr. Noch ein Hinweis zur grundsätzlichen Nutzung eines VPN-Clients: Die Benutzung an sich ist, Stand März 2020, legal, auch wenn es immer wieder Diskussionen gibt diese gesetzlich stark einzuschränken. Kriminelle Handlungen unter dem Deckmantel VPN sind aber selbstverständlich illegal.

Tipp zum Schluss: Wie Sie dennoch bei Netflix sparen

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen möchten, müssen Sie dennoch nicht auf günstige Netflix-Abos verzichten. Viele Supermärkte und Drogerieketten bieten immer wieder rabattierte Guthabenkarten für Apples App Store oder Googles Play Store an. Über die Stores schließen Sie per In-App-Kauf dann ein vergünstigtes Abo ab. Oder Sie sparen, indem Sie das Familien-Abo nutzen. Für 15,99 Euro monatlich können bis zu vier Geräte das Premium-Modell nutzen. Allerdings müssen die Familienmitglieder alle die gleiche Adresse haben – das Teilen mit Freunden ist laut Nutzungsbedingungen ebenfalls verboten. Ignorieren Sie das, droht auch hier die Sperrung des Accounts.